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Frau schaut begeistert auf ihr Handy

Wenn Dein Daumen kauft, bevor Du denkst

Frau schaut begeistert auf ihr Handy

Instagram & TikTok-Shops

Du wolltest eigentlich nur kurz schauen. Ein Video, zwei Bilder, nichts Besonderes. Dann taucht sie auf: die Jacke. Sie steht jemandem gut, der Dir ähnelt. Gleiche Figur, gleicher Stil. Einen Klick später bist Du im Shop. Kein Bruch, kein Übergang. Fließend. Kaufen fühlt sich an wie weiter scrollen. Toll, oder?

Was steckt dahinter?

Instagram und TikTok haben das Einkaufen unsichtbar gemacht. Früher war Kaufen eine bewusste Entscheidung. Heute ist es eine Bewegung des Daumens. Herrlich unkompliziert. Und genau darin liegt die Raffinesse.

Jede Bewegung Deines Daumens ist harmlos. Jede für sich. Aber zusammen erzählen sie eine Geschichte darüber, was Du willst, wie Du Dich fühlst – und was man Dir noch verkaufen kann. Zufall? Keineswegs.

Shops, die keine sein wollen

Instagram- und TikTok-Shops geben sich nicht als Werbung zu erkennen. Sie verstecken sich im digitalen Alltag. In Routinen. In Momenten, in denen Du eigentlich abschalten willst. Passend von Influencern serviert. Das Produkt kommt nicht mit einem Preisschild, sondern mit einer Geschichte: „Habe das selbst getestet“ oder „Ohne das gehe ich nicht mehr aus dem Haus“ oder„Alle fragen mich danach“.

Du kaufst nicht die Creme, die Hose oder das Küchengerät. Du kaufst Zugehörigkeit. Das Gefühl, richtig zu sein. Immer up to date. Der Shop tarnt sich als Empfehlung. Denn Empfehlungen fühlen sich harmlos an

Warum gerade Du gemeint bist

Du denkst vielleicht: Mich erwischt das nicht. Aber genau das ist der Punkt. Diese Shops sind nicht für „alle“ gemacht. Sie sind für Dich gemacht.

Der Algorithmus weiß, wann Du müde bist. Wann Du unsicher bist. Wann Du empfänglich bist für kleine Versprechen, wie: „Das macht Dein Leben leichter. Schöner. Erfolgreicher“. Wenn Du oft Fitnessvideos schaust, bekommst Du Produkte zur Optimierung. Scrollst Du nachdenklich oder angespannt, erscheinen Dinge, die helfen sollen, den Alltag zu ordnen. Es sind Muster. Muster, die Aufschluss über Deine Person geben. Und genau das wird genutzt

Werbung ohne Werbung

Instagram- und TikTok-Shops nennen selten, was sie wirklich sind: Verkaufsmaschinen, die auf Nähe setzen. Influencer wirken wie Freunde, obwohl sie bezahlt werden. Die Werbekennzeichnungen sind klein, schnell übersehen. Du merkst oft nicht, wann Du manipuliert wirst. Und genau das macht es so wirksam. 
Wenn Influencer ein Produkt empfehlen, fühlt es sich nicht wie Werbung an, sondern wie ein Tipp. Genau darin liegt die Macht. Du kaufst nicht nur das Produkt, Du kaufst ein Stück (vermeintliche) Glaubwürdigkeit.

Was das mit Dir macht

Vielleicht kaufst Du mehr, als Du brauchst. Vielleicht vergleichst Du Dich häufiger. Vielleicht hast Du das Gefühl, immer hinterherzuhinken. Nicht gut genug ausgestattet für Dein eigenes Leben. Das ist kein persönliches Versagen. Es ist ein System, das davon lebt, dass Du Dich kurz unvollständig fühlst.

Und nun? Was kannst Du tun?

Vielleicht hilft es Dir, Influencer nicht als Freunde zu sehen, sondern als Verkäufer mit Persönlichkeit. Du darfst zuhören. Du darfst Dich inspirieren lassen. Aber Du musst nichts kaufen, um dazuzugehören.

Du musst Dein Handy nicht wegwerfen. Du musst nicht asketisch werden. Aber Du kannst bewusster werden.

Frage Dich:
 – Würde ich das auch kaufen, wenn es mir jemand nicht gezeigt hätte?
 – Würde ich es morgen noch wollen?
 – Ist das ein Wunsch oder nur ein spontaner Impuls?

Manchmal reicht schon eine Pause von zehn Sekunden, um aus dem spontanen Kauf wieder eine echte Entscheidung zu machen. Dafür oder dagegen.

Also, schärfe Dein Bewusstsein

Instagram- und TikTok-Shops verkaufen nicht nur Produkte. Sie verkaufen Vorstellungen davon, wie Dein Leben aussehen könnte. Aber Dein Leben passiert nicht im Shop. Es passiert außerhalb des Feeds. Oft unperfekt. Oft langsam. Und meistens ohne Link zum Kaufen.

Es sind zwei verschiedene Welten. Sei Dir einfach darüber bewusst, dann hast Du schon eine Menge gewonnen. 

*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

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